60 Jahre Architektur, ein Promptathon: GenAI im Einsatz bei Asmussen + Partner
Ein Architekturbüro mit über 60 Jahren Planungs- und Bauerfahrung, Fachwissen als Kerngeschäft, Aufgaben von der Bauvoranfrage bis zum Leistungsverzeichnis. Kann generative KI hier mehr sein als ein nettes Recherche-Tool? Ein Bericht aus unserer Zusammenarbeit mit Asmussen + Partner.
Asmussen + Partner steht für durchdachte Architektur und eine lange Reihe realisierter Projekte unterschiedlicher Größenordnung und Nutzung. Über 60 Jahre praktische Planungs- und Bauerfahrung stecken in einem Team, das gestalterische Qualität mit fundiertem Fachwissen verbindet und jedes Projekt als individuelle Aufgabe begreift, mit dem Anspruch auf langlebige Konstruktionen und eine Planung, die funktional wie ästhetisch überzeugt. Genau bei einem Büro mit diesem Selbstverständnis stellt sich die Frage bei GenAI anders als in vielen Branchen. Es geht nicht darum, ob KI die Arbeit ersetzt, sondern wo sie Routinearbeit abnimmt, ohne dass die fachliche Kontrolle verloren geht.
Mit dieser Ausgangslage kamen Dr. Eike Meyer, Martin Schanze und Darren Yeo vom ZGKI, gemeinsam mit Kim Reiser vom KI-Transfer-Hub der WTSH, am 18. Juni 2026 zu Asmussen + Partner nach Flensburg. Rund 20 Teilnehmer:innen haben wir dort durch einen Promptathon begleitet.
Architektur mit Anspruch
Das Büro beschreibt den eigenen Anspruch klar. Jedes Projekt sei eine individuelle Aufgabe. Ziel seien Gebäude und Orte mit eigener Identität, die sich sensibel in ihre Umgebung einfügen und langfristig Bestand haben. Nachhaltigkeit spielt dabei durchgängig eine Rolle, von der Materialauswahl bis zur Konstruktion. Diese Sorgfalt bringt für den Einsatz von GenAI eine klare Erwartungshaltung mit. Tools müssen sich in bestehende fachliche Standards einfügen, nicht umgekehrt.
Der Weg zum Promptathon
Unser ZGKI Change Framework begleitet Unternehmen in vier Stufen. Am Anfang steht ein AI-Readiness Assessment, gefolgt vom Use-Case Workshop und dem Promptathon, bevor eine Organisation KI eigenständig und nachhaltig im Alltag nutzt. Im AI-Readiness Assessment haben wir zunächst die Bereitschaft für GenAI im Unternehmen analysiert. Dabei kamen bereits vielfältige Ideen für den Einsatz von KI zum Vorschein. Im anschließenden Use-Case Workshop wurden gemeinsam mit dem Team erste Anwendungsfälle aus dem Arbeitsalltag identifiziert und priorisiert. Darauf baute der Promptathon auf, der angeleitete Einsatz von GenAI in praxisnahem Umfeld, direkt an den zuvor identifizierten Aufgaben.
Diese Reihenfolge ist der Kern des Frameworks. Erst wird verstanden, wo im Alltag tatsächlich Reibung entsteht, erst dann wird mit Tools gearbeitet. Kein Blindflug mit der neuesten KI-Anwendung, sondern ein Vorgehen, das auf den echten Use Cases eines Unternehmens aufbaut.
Der Promptathon selbst startete mit einer Einordnung durch Eike Meyer. Er beschrieb KI als „sehr schlauer Praktikant", der viele Informationen verarbeiten und aufbereiten kann, aber auf klare, ausreichend kontextualisierte Anweisungen angewiesen ist. Diese Metapher trifft einen Punkt, der uns im Change Framework wichtig ist. Der Prompt ersetzt nicht das Fachwissen, er macht es erst nutzbar. Anschließend stellte Martin Schanze die im Workshop eingesetzten Tools vor, darunter ChatGPT sowie Codex, ein agentisches System von OpenAI für projektbezogene Aufgaben.
Von der Recherche bis zur Bauvoranfrage
In der Arbeitsphase ging es für die Teilnehmer:innen an die zuvor im Use-Case Workshop definierten Anwendungsfälle, bearbeitet in kleinen, gemischten Teams. Das Spektrum reichte von klassischen Office-Aufgaben bis zu fachspezifischen Aufgaben aus dem Architekturalltag.
Ausgewählte Anwendungsfälle aus dem Promptathon
- Office-Tätigkeiten: Informationen recherchieren, verifizieren und aufbereiten, Meetings zusammenfassen sowie Infografiken erstellen mit ChatGPT.
- Bauvoranfragen und Leistungsverzeichnisse: Für diese spezifischeren, fachlichen Aufgaben entwickelten die Teams eigene Agentenlösungen mit Codex.
- Protokollierung von Gesprächsnotizen: Gemeinsam mit den Teilnehmer:innen wurde dafür ein eigener Custom GPT entwickelt, der handschriftliche Notizen strukturiert zusammenfasst und zuverlässig überträgt.
Besonders hervor stach die Protokollierung. Handschriftliche Gesprächsnotizen ließen sich strukturiert zusammenfassen und zuverlässig übertragen, ein kleiner Anwendungsfall mit spürbarem Zeitgewinn im Alltag. Bei der Erstellung von Leistungsverzeichnissen fiel dagegen die Genauigkeit der Berechnungen positiv auf, ein Bereich, in dem Fehler in der Praxis besonders teuer werden können.
Was im Promptathon noch nicht rund lief
Zu einem ehrlichen Blick, den wir im Change Framework für zentral halten, gehört auch, dass nicht alles reibungslos lief. Einige Teilnehmer:innen beschrieben das Formulieren geeigneter Prompts als Herausforderung. Es brauchte Übung, um zu verwertbaren Ergebnissen zu kommen. Bei sehr spezifischen und komplexen Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag führten die Tools nicht immer zu vollständig zufriedenstellenden Ergebnissen. Die kritische Prüfung der generierten Inhalte bleibt zentral, um fehlende Informationen oder Ungenauigkeiten zu erkennen. Bei einem Büro, das seine Arbeit seit über 60 Jahren an fachlicher Sorgfalt misst, ist genau das keine Randnotiz, sondern die Voraussetzung dafür, dass GenAI überhaupt zum Einsatz kommt.
Drei Eindrücke aus dem Promptathon
Ein mehrstufiges Vorgehen zahlt sich aus. Weil bereits ein Use-Case Workshop stattgefunden hatte, ging es im Promptathon direkt an echte Aufgaben statt an generische Beispiele. Das Change Framework schafft hier den Unterschied zwischen einem Show-Effekt und echtem Transfer.
Fachwissen bleibt der Maßstab, nicht das Tool. Gerade in einer Fachdisziplin wie der Architektur zeigt sich, dass GenAI keine Expertise ersetzt, sondern sie schneller nutzbar macht, solange die Prüfung durch Fachleute bestehen bleibt. Die dabei gewonnene Zeit lässt sich gezielt nutzen, um genau diese Prüfung mit dem eigenen Fachwissen vorzunehmen, statt sie einzusparen.
Kleine Anwendungsfälle wirken oft am stärksten. Nicht die spektakulärste Aufgabe, sondern die Protokollierung von Gesprächsnotizen und das Recherchieren von Informationen waren die Use Cases mit dem sichtbarsten Alltagsnutzen, ein Muster, das wir auch aus anderen Workshops kennen.
Unser Ziel als Zukunfstlabor Generative KI
Im Zukunftslabor Generative KI geht es uns nicht um den schnellen Austausch, sondern um nachhaltigen Transfer. Der AI-Readiness Assessment und der Use-Case Workshop legen die Grundlage, der Promptathon macht die Anwendung konkret, und alles zusammen ist der Weg zu einem Unternehmen, das KI eigenständig und nachhaltig im Arbeitsalltag einsetzt, statt sie nach dem Workshop wieder liegen zu lassen.
Vielen Dank an das Team von Asmussen + Partner für die Offenheit und den produktiven Austausch. Wir sind gespannt, welche der erprobten Use Cases den Weg in den festen Arbeitsalltag finden.
Sie sind Unternehmen in Schleswig-Holstein und überlegen, mit Ihrem Team in einen Use-Case Workshop und anschließenden Promptathon einzusteigen? Sprechen Sie uns an. Gemeinsam finden wir heraus, wo in Ihrem Alltag der größte Hebel liegt.
