Wenn KMU und KI-Startups an einen Tisch kommen: unser Matchmaking im KITZ

von ZGKI-Redaktion | September 2025

Gemeinsamer Auftakt vor dem Kieler Innovations- und Technologiezentrum: die Organisator:innen des Matchmakings.

KI-Transfer Matchmaking KI.SH

Wenn KMU und KI-Startups an einen Tisch kommen: unser Matchmaking im KITZ

Acht mittelständische Unternehmen aus Schleswig-Holstein. Elf KI-Startups aus ganz Deutschland. Ein Tag im Kieler Innovations- und Technologiezentrum, der zeigt, wie KI-Transfer im Mittelstand wirklich funktioniert.

KI-Transfer in den Mittelstand scheitert selten an der Technik. Er scheitert an Übersetzung. Ein Traditionsunternehmen aus dem Norden und ein KI-Startup aus Berlin sprechen oft nicht die gleiche Sprache. Dahinter stecken meistens unterschiedliche Probleme, Tempi und Vokabulare, nicht fehlender guter Wille.

Genau für diese Übersetzung haben wir gemeinsam mit MISSION KI, dem appliedAI Institute for Europe und der IHK zu Kiel ein Matchmaking-Event organisiert. Ort: das KITZ, das Kieler Innovations- und Technologiezentrum. Aufgabe: KMU aus Schleswig-Holstein mit passenden KI-Startups zusammenbringen, damit aus Interesse konkrete Projekte werden können.


Drei Sessions, ein klares Format

Damit Matchmaking nicht bei Smalltalk stehen bleibt, haben wir den Tag in drei vertrauensvolle Einzelgespräch-Sessions aufgeteilt. Jedes KMU traf dabei gezielt auf KI-Startups, die zum eigenen Bedarfsprofil passen.

In diesen geschützten 1:1-Settings konnten regionale Unternehmen reale Anwendungsfälle diskutieren, Chancen und Grenzen aktueller KI-Lösungen ausloten und herausfinden, mit welchem Anbieter eine Zusammenarbeit tatsächlich sinnvoll sein könnte. Der Rahmen war bewusst ruhig gehalten: Zeit fürs Zuhören, Raum für Rückfragen und ausreichend Gelegenheit, auch heikle Themen offen zu besprechen.

Warum dieses Format funktioniert

  • Vorauswahl statt Zufall: Die Startups wurden passend zu den KMU-Bedarfen eingeladen, nicht umgekehrt.
  • Vertraulichkeit: Sensible Themen (Datenlandschaften, Wettbewerbssituation, ERP-Realitäten) lassen sich im 1:1-Format offen besprechen.
  • Konkrete Bedarfsprofile: Jedes KMU kam mit einer echten Frage im Gepäck, nicht mit dem diffusen Wunsch „mal was mit KI".
  • Nachbereitung im Blick: Als Zielbild hatten wir konkrete Folgetermine vor Augen, an denen weitergearbeitet werden kann.

Wer war dabei

Unter den teilnehmenden KMU waren Hidden Champions und Traditionsunternehmen aus Schleswig-Holstein, die gemeinsam ein breites Branchenbild abbilden: von Kabel- und Leitungsbau bis Holzhandel, von Werbung bis Metallverarbeitung.

Weihe GmbH · punker GmbH · PAV · WIR DREI Werbung GmbH · Gebrüder Schröder Kabel- und Leitungsbau GmbH · Holz Junge GmbH · Wilhelm Siemsen GmbH & Co. KG · J.A. Plambeck GmbH & Co. KG Teilnehmende KMU aus Schleswig-Holstein

Auf Startup-Seite waren elf KI-Unternehmen aus ganz Deutschland vertreten, mit Lösungen von dokumentenbasierter KI über Sales- und Workflow-Automation bis hin zu spezialisierten Agenten-Setups:

Splitbot · anymize.ai · dealcode AI · Beyond the Loop · SelectCode GmbH · FlowShare · PioVation GmbH · enmit · GROON · 913.ai · Kauzen Teilnehmende KI-Startups

Was wir aus dem Tag mitnehmen

Ein Matchmaking dieser Art ist ein Schnappschuss. Die eigentliche Arbeit beginnt danach. Trotzdem ließen sich drei Muster klar beobachten:

Die spannendsten Gespräche entstanden zwischen sehr unterschiedlichen Welten. Ein Kabelbauer aus SH und eine Workflow-KI aus München kommen zunächst nicht naheliegend zusammen. Genau an dieser Schnittstelle liegen aber die Hebel, die im Alltag den größten Unterschied machen.

KMU wissen sehr präzise, wo es klemmt. Was oft fehlt, ist die Übersetzung in ein KI-Lösungsbild. Wer als Startup bereit ist, das Kundenproblem genau zu hören, statt das eigene Produkt zu pitchen, kommt im Mittelstand deutlich weiter.

Vertrauen ist der limitierende Faktor, nicht die Technik. Gerade bei Hidden Champions mit langen Kundenbeziehungen zählt vor allem eine Frage: Kann ich mit diesem Team wirklich über Jahre arbeiten? Ein Format wie dieses Matchmaking erlaubt genau diese Einschätzung.


Warum wir das gemacht haben

Als KI.SH verstehen wir uns als Brücke zwischen der KI-Welt und dem Mittelstand im echten Norden. Für dieses Event haben wir mit den Organisationspartnern ein Format aufgesetzt, das genau dort ansetzt, wo klassische Workshops an ihre Grenzen kommen: beim Aufbau vertrauensvoller, tragfähiger Partnerschaften. Das Matchmaking war in dieser Form bislang einmalig; ob und in welchem Rahmen wir es im Folgejahr wieder anbieten, prüfen wir derzeit.

Ein herzlicher Dank an alle teilnehmenden Unternehmen und Startups für die Neugier und den lebendigen Austausch. Und an unsere Organisationspartner MISSION KI, das appliedAI Institute for Europe, die IHK zu Kiel sowie persönlich Sarah Hölzl, Dr. Philip Hutchinson, Fabian Haushahn und Andree Mehrens für die produktive Zusammenarbeit.

Wir sind zuversichtlich, dass hier nachhaltige Beziehungen entstanden sind, und freuen uns bereits auf die ersten fruchtbaren Ergebnisse.

Sie sind KMU in Schleswig-Holstein oder KI-Startup mit passender Lösung für den Mittelstand und hätten Interesse an einer möglichen Neuauflage? Meldet euch gern bei uns, dann halten wir euch auf dem Laufenden.

Event Pilotformat November 2025

70+ Menschen, 23 Agenten, vier Stunden: der erste OPEN AGENTATHON

Am 17. November 2025 hat das Zukunftslabor Generative KI gemeinsam mit dem Lausitz Science Park und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg den ersten OPEN AGENTATHON durchgeführt. Das Pilotformat brachte über 70 Teilnehmende in einem kompakten Online-Setting zusammen, mit einem klaren Ziel: in kurzer Zeit konkrete KI-Agenten-Prototypen entwickeln, testen und vorstellen.

Die Grundidee war bewusst einfach gehalten: Menschen aus unterschiedlichen Bereichen kommen online zusammen, erhalten einen kurzen thematischen Impuls und arbeiten anschließend mehrere Stunden an eigenen Anwendungsfällen. Im Mittelpunkt stand das praktische Ausprobieren, jenseits von Frontalvorträgen und reinen Tool-Demonstrationen. Use Cases, Tools, Kopfzerbrechen und Aha-Momente sollten an einem Vormittag nebeneinander Platz haben.

Ein Format für Praxis statt Theorie

Der OPEN AGENTATHON war als niedrigschwelliger Experimentierraum angelegt. Teams konnten mit ihren eigenen Tools arbeiten oder auf bereitgestellte Umgebungen zurückgreifen. Dafür wurden Instanzen von n8n und Open WebUI gehostet, um auch Teilnehmenden ohne eigene Infrastruktur einen schnellen Einstieg zu ermöglichen. Genau dieser pragmatische Zugang erwies sich im Pilot als besonders wertvoll: Ins Machen kommen, statt theoretische Debatten über KI-Agenten zu führen. Das entspricht auch der Zielrichtung von AI2E, generative KI in konkrete Anwendung und verantwortungsvolle Praxis zu überführen.

Teilnehmende und Zoomfenster während des ersten OPEN AGENTATHON
Über 70 Personen aus unterschiedlichen Organisationen arbeiteten beim Pilotformat gemeinsam an KI-Agenten und präsentierten ihre Ergebnisse online.

Heterogene Teams, vielfältige Ideen

Besonders bemerkenswert war die Vielfalt der Teilnehmenden. Vertreten waren Personen aus Schleswig-Holstein, aus dem Umfeld der BTU Cottbus-Senftenberg und des Lausitz Science Park, aus Unternehmen wie simpleclub und AstraZeneca, aus öffentlichen Institutionen wie dem RKW Sachsen, aus Hochschulen wie dem Karlsruher Institut für Technologie sowie aus Gründungsprojekten. Sogar Zuschaltungen aus der Schweiz und Australien waren dabei. Diese Heterogenität hat sich als zentraler Erfolgsfaktor des Formats erwiesen.

Denn auch das Verständnis davon, was ein „Agent" ist, fiel sehr unterschiedlich aus: Für einige Teams standen Automatisierungs-Workflows in n8n im Mittelpunkt, andere entwickelten Assistenzsysteme mit Wissensspeicher in Open WebUI. Wieder andere dachten in Richtung Recherche, Storytelling, Beratung oder Community-Management. Gerade diese Vielfalt machte die Diskussionen produktiv und zeigte, wie breit das Anwendungsspektrum agentischer Systeme inzwischen geworden ist.

23 Pitches als positives Signal

Am Ende des intensiven Vormittags präsentierten 23 Gruppen ihre Ergebnisse in kompakten Pitches. Für ein neues Online-Format mit bewusst experimentellem Charakter ist das ein starkes Ergebnis. Es zeigt: Das Interesse an KI-Agenten ist groß, und der Wunsch, diese Technologien gemeinsam auszuprobieren, wächst spürbar. Genau diese Dynamik ist auch für die Weiterentwicklung von AI2E relevant, insbesondere mit Blick auf künftige Formate zu AI Leadership, agentischen Systemen und innovationsorientierter Gründungsförderung.

Ein Agenten-Workflow in n8n aus der Arbeitsphase des OPEN AGENTATHON
Im Pilotformat entstanden konkrete Prototypen, die zeigten, wie sich KI-Agenten für Recherche, Automatisierung und Assistenz einsetzen lassen.

Was wir aus dem Pilot mitnehmen

Der erste OPEN AGENTATHON hat vor allem eines deutlich gemacht: Das Bedürfnis nach praktischem Austausch rund um KI-Agenten ist groß. Viele Teilnehmende bringen bereits konkrete Fragestellungen aus ihrem beruflichen Alltag mit und suchen nach Formaten, in denen sie Ideen testen, Tools vergleichen und gemeinsam Lösungen entwickeln können.

Gleichzeitig wurde sichtbar, dass solche Formate bewusst gestaltet werden müssen. Wie viel Input braucht es zu Beginn? Welche Tools sollten vorkonfiguriert sein? Wie viel Komplexität ist in einem kompakten Online-Format sinnvoll? Gerade diese Fragen machen den Reiz eines Pilotlaufs aus. Sie helfen dabei, Formate weiterzuentwickeln, die technologisch spannend und didaktisch tragfähig sind.

Ausblick

Umgesetzt wurde der Pilot gemeinsam mit Kevin Hildebrandt von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und dem Team des Lausitz Science Park. Danke für die gemeinsame Vorbereitung und den reibungslosen Ablauf.

Der OPEN AGENTATHON war ein Pilot, wird aber sicher kein Einzelfall bleiben. In welcher Form sich das Format weiterentwickelt, zeigt sich in den kommenden Monaten.