KI-Agenten auf dem Vormarsch (Gastbeitrag Digitale Woche Kiel)

von ZGKI-Redaktion | August 2026

 

Artikel Digitale Woche Kiel August 2026

Vom Werkzeug zum Akteur: die Entwicklung der KI-Agenten

Von den ersten Prototypen 2024 bis zu Multi-Agentensystemen und eigenen ID-Nummern für KI-Agenten: In ihrem Gastbeitrag für die Digitale Woche Kiel zeichnet Prof. Dr. Doris Weßels die agentische Entwicklung in Wirtschaft und Bildung nach.

Für die Digitale Woche Kiel hat unsere wissenschaftliche Leiterin Prof. Dr. Doris Weßels im August 2026 einen Gastbeitrag zum Themenschwerpunkt KI-Agenten verfasst. Anhand ausgewählter Spotlights beschreibt sie, wie sich LLM-basierte Agentensysteme seit 2023/24 von experimentellen Prototypen zu ersten Produktivanwendungen entwickelt haben, mit Blick auf Chancen und Risiken.

Zum Einstieg klärt der Beitrag, was einen KI-Agenten ausmacht: ein Sprachmodell, das in einer Schleife Werkzeuge nutzt, um ein Ziel zu erreichen. Der Unterschied zum Chatbot liegt im Handeln. Während ein Chatbot auf Fragen antwortet, plant ein Agent Schritte, wählt Werkzeuge aus und führt je nach Autonomiegrad und Berechtigung auch Handlungen aus.


Die Entwicklung in Spotlights

Stationen der agentischen Entwicklung

  • 2024: Anthropic stellt „Computer Use" vor und veröffentlicht mit dem Model Context Protocol eine Art USB-C für KI. Zugleich werden Prompt Injection und Wächter-Agenten zum Thema.
  • 2025: Agenten erreichen Unternehmen und Hochschulen. Erste Produkte kommen auf den Markt, Studien zeigen hohes Tempo bei deutlichen Defiziten in Qualität und Verlässlichkeit.
  • 2026: Sicherheitsvorfälle mit unerlaubten Agenten-Aktionen schärfen das Bewusstsein für „Human-in-the-Loop", parallel entstehen Multi-Agentensysteme.
  • Gesellschaftlich: Estland will KI-Agenten eigene ID-Nummern zuweisen, Argentinien plant ein Firmenrecht für KI-Unternehmen ohne Menschen.

Für den Bildungsbereich zeigt der Beitrag beide Seiten. Auf der einen Seite stehen Konzepte wie die Agentic Learning Workflows, die Weßels 2025 skizziert hat, und Ansätze wie das KI-Klassenzimmer MAIC der Tsinghua-Universität. Auf der anderen Seite steht wachsender Druck auf das Prüfungswesen, sichtbar geworden etwa an einem KI-Agenten, der komplette Kursarbeit von Studierenden übernehmen konnte.

Fazit: Wir sind Agent Bosses

Weßels ordnet die Entwicklung als grundlegende Neuverteilung von Aufgaben zwischen Mensch und Maschine ein. Den faszinierenden Potenzialen in Medizin, Pharmazie, Mathematik und Bildung stellt sie eine lange Risikoliste gegenüber: Verschiebungen im Arbeitsmarkt, Cyberangriffe, Umweltbelastungen, Kontrollverluste samt Haftungsfragen und Abhängigkeiten von Monopolisten. Im Bildungsbereich droht neben einer Flut minderwertiger KI-Inhalte die Auslagerung eigener Denkprozesse, was die intellektuelle Souveränität gefährdet.

Ihre Schlussfolgerung: Generative KI macht bestehende Defizite im Bildungsbereich sichtbar und kann als Katalysator für Veränderungen wirken. Dafür brauche es innovative Lehr- und Prüfungsformen sowie mehr Experimentierfreude. Die entscheidende neue Kompetenz bleibt die Fähigkeit, KI-Agenten verantwortungsvoll zu führen, ohne die eigene Steuerungshoheit abzugeben.

Wir sind nicht nur Anwenderinnen und Anwender von Technologien. Wir sind Manager dieser Systeme. Wir sind Agent Bosses. Doris Weßels, IPMA World Congress

Der vollständige Gastbeitrag mit Literaturverzeichnis steht bei der Digitalen Woche Kiel: „KI-Agenten auf dem Vormarsch: Wie autonome Systeme Wirtschaft und Bildung verändern".

Gastbeitrag von Prof. Dr. Doris Weßels für die Digitale Woche Kiel, August 2026.