AI Leadership: die Führungskompetenz für Schulen im agentischen Zeitalter

von ZGKI-Redaktion | Juli 2026

Artikel Plan BD / Forum Bildung Digitalisierung Juli 2026

AI Leadership: die Führungskompetenz für Schulen im agentischen Zeitalter

Generative KI entwickelt sich vom reaktiven Chatbot zum eigenständig handelnden Agenten. Für Schulen verschiebt sich damit die Rolle der Führung vom Ausführen zum Steuern. Ein Gastbeitrag von Doris Weßels und Miriam Maibaum im Magazin Plan BD.

Am 6. Juli 2026 ist im Magazin Plan BD des Forum Bildung Digitalisierung e. V. ein Gastbeitrag unter dem Titel „AI Leadership: Die zentrale Führungskompetenz für Schulen im Zeitalter von KI-Agenten" erschienen. Verfasst haben ihn unsere wissenschaftliche Leiterin Prof. Dr. Doris Weßels und Projektleiterin Dr. Miriam Maibaum aus dem Zukunftslabor Generative KI.

Die Kernbeobachtung: KI-Assistenzsysteme erreichen mit KI-Agenten ein neues Leistungsniveau. Anders als einfache Chatbots handeln sie innerhalb definierter Grenzen eigenständig. Das verlangt vom Menschen einen Rollenwechsel und ein Bündel neuer Führungs- und Steuerungskompetenzen, das die Autorinnen als AI Leadership bezeichnen.


Was AI Leadership bedeutet

AI Leadership beschreibt die Kompetenz, den Einsatz von KI-Systemen werteorientiert, transparent und reflektiert zu steuern, ohne die Entscheidungshoheit an die Technologie abzugeben. Der Begriff knüpft an Digital, Data und AI Literacy an und erweitert sie um eine aktive Führungs- und Steuerungsdimension.

Die vier Bausteine von AI Leadership

  • Strategische Zielklärung und Governance: Wo und wie setzen wir KI systematisch ein?
  • Technisches Urteilsvermögen: KI-Ergebnisse prüfen und validieren, statt sie blind zu übernehmen.
  • Ethisch-rechtliche Sensibilität: der reflektierte Umgang mit Datenschutz und Fairness.
  • Rolleninteraktion: die Mensch-KI-Zusammenarbeit bewusst gestalten und als Veränderungsprozess umsetzen.
AI Leadership ist die Kompetenz, KI-Systeme werteorientiert zu steuern, ohne die Entscheidungshoheit an die Technologie abzugeben. Doris Weßels und Miriam Maibaum, Plan BD (Forum Bildung Digitalisierung)

Vom Manufakturisten zum Manager

Den Weg ins agentische Zeitalter beschreiben die Autorinnen als historische Evolution der menschlichen Arbeitsrolle. Am Anfang steht der Manufakturist, der allein mit Handwerk und Erfahrung produziert. Mit der Industrialisierung wird daraus der Maschinist, der die Maschine als Werkzeug bedient. Im agentischen Zeitalter tritt der Manager hervor: Er orchestriert einen oder mehrere KI-Agenten entsprechend ihrem festgelegten Autonomiegrad, statt die Tätigkeit noch selbst auszuführen. Mit jeder Stufe wächst die Distanz zur unmittelbaren Ausführung und zugleich die Verantwortung für den gesamten Prozessablauf.


New Skilling: die neuen Kompetenzen

Der Dialog mit KI-Systemen ähnelt einem Ping-Pong-Spiel, bei dem sich beide Seiten immer wieder neu aufeinander einstellen. Dabei bilden sich beim Menschen neue Kompetenzen, die Weßels und Maibaum als New Skilling bezeichnen. Sie unterscheiden zwei Ebenen: eine kognitive Erweiterung im weiteren Sinne, also die instrumentell-technischen Fähigkeiten im Umgang mit KI, und die metakognitive Selbststeuerung im engeren Sinne, zu der auch AI Leadership zählt.

Metakognitive Selbststeuerung: der Kern von New Skilling

  • Konzeptionelle Kompetenz: die Potenziale von KI erkennen und nutzen.
  • Managementkompetenz: strategische Zielausrichtung unter permanenter Veränderung.
  • Selbstreflexionskompetenz: der Umgang mit ethischen und rechtlichen Anforderungen unter Unsicherheit.
  • Organisations- und Führungskompetenz: die Gestaltung hybrider Mensch-KI-Kollaboration.

Vier Handlungsfelder für Schulleitungen

Wie der Transfer auf Ebene der Schulführung gelingt, zeigt ein Modell des Leadership LAB Schleswig-Holstein, das AI Leadership eigens für Schulleitungen in vier Handlungsfelder gliedert. Für Schulleitungen kommt dabei eine zusätzliche Ebene hinzu: Sie führen sich selbst und ihre Teams und gestalten zugleich die digitale Transformation ihrer gesamten Organisation.

AI Leadership für Schulleitungen

  • Verstehen: KI so weit durchdringen, dass fundierte Entscheidungen zur Schulentwicklung möglich werden, inklusive der rechtlichen Rahmenbedingungen.
  • Anwenden: KI gezielt und sicher für Kommunikation, Organisation und Planung einsetzen.
  • Mitgestalten: die Schule mit Leitbild, Strategie und Fortbildungsstrukturen systematisch vorbereiten.
  • Reflektieren: Chancen und Risiken bewusst abwägen, mit Blick auf Schulklima, Lehrkräfte und Schüler:innen.

Entscheidend ist, dass dieser Transfer als kontinuierlicher Veränderungs- und Weiterbildungsprozess angelegt wird. Schulträger, Schulaufsichten und Landesinstitute können ihn unterstützen, indem sie Strukturen, Ressourcen und einen rechtssicheren Rahmen bereitstellen.


Die Verbindung zu unserer Arbeit im ZGKI

New Skilling und AI Leadership sind Kernthemen unserer Arbeit im Zukunftslabor Generative KI. Was der Beitrag für Schulen beschreibt, gilt in ähnlicher Form für KMU, Verwaltungen und Gründungsteams in Schleswig-Holstein: Der Sprung vom Bedienen einzelner Tools zum Orchestrieren autonomer KI-Agenten verlangt eine eigene Führungskompetenz. Daran setzen unsere Promptathons, Agentathons und Machbarkeitsstudien an.

Der vollständige Gastbeitrag ist im Magazin Plan BD verfügbar: „AI Leadership: Die zentrale Führungskompetenz für Schulen im Zeitalter von KI-Agenten" (Plan BD, Forum Bildung Digitalisierung).

Autorinnen: Doris Weßels und Miriam Maibaum. Der Beitrag steht unter der Lizenz CC BY 4.0.