KI als Schulfach? Doris Weßels im FR-Interview zur österreichischen Debatte
Österreich plant ein eigenes KI-Schulfach, mögliche Verlierer inklusive. Prof. Dr. Doris Weßels ordnet die Debatte in der Frankfurter Rundschau ein und plädiert für einen fächerübergreifenden Ansatz statt für ein neues Silo.
Am 20. Februar 2026 ist in der Frankfurter Rundschau ein Beitrag von Andreas Apetz erschienen, in dem unsere wissenschaftliche Leiterin Prof. Dr. Doris Weßels zur österreichischen Reform „Plan Z" Stellung nimmt. Der Titel: „KI-Unterricht statt Latein: Lehrerverband warnt vor Schulreform wie in Österreich".
Worum es geht
Das österreichische Bildungsministerium unter Christoph Wiederkehr (NEOS) plant ab Herbst 2026 eine umfassende Schulreform. Geplant sind zwei neue Pflichtfächer: „Informatik und Künstliche Intelligenz" sowie „Medien und Demokratie". Um Platz im Stundenplan zu schaffen, sollen ab dem Schuljahr 2027/28 die Wochenstunden in den Sprachen reduziert werden. Besonders um den Lateinunterricht wird dabei gestritten, der an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen von zwölf auf acht Wochenstunden gekürzt werden könnte.
Auf deutscher Seite zeigt sich Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, skeptisch. Ein eigenes KI-Fach hält er für den falschen Weg, weil die Technologie sich zu schnell entwickle und alle Fächer betreffe. Auch der Deutsche Altphilologenverband meldet sich zu Wort und argumentiert, gerade sprachliche Bildung schaffe die Grundlage, um KI-Ergebnisse überhaupt kritisch einordnen zu können.
Die Position von Doris Weßels: kein „Gegeneinander"
Doris Weßels, Informatikprofessorin an der FH Kiel und wissenschaftliche Leiterin des Zukunftslabors Generative KI, hält das Ausspielen einzelner Fächer gegeneinander für verfehlt. In der Frankfurter Rundschau wird sie mit einer klaren Einordnung zitiert:
„Die hochemotionale Diskussion in Österreich zeigt, dass ein ‚Gegeneinander' von Schulfächern wie Latein gegen KI uns nicht weiterhilft." Prof. Dr. Doris Weßels in der Frankfurter Rundschau
Für sie ist KI eine Querschnittstechnologie, die in alle Fächer hineinstrahlt. Ein eigenes KI-Fach berge die Gefahr, dass Lehrkräfte anderer Fächer das Thema ausklammern und als erledigt betrachten. Der sinnvollere Weg: KI dort reflektieren, wo sie im Lernalltag tatsächlich zum Einsatz kommt. Im Sprachunterricht bei der Erstellung von Texten. Im Kunstunterricht bei der Generierung von Bildern. In Sozialkunde beim Erkennen von Fake News.
Das eigentliche Problem: KI-Kompetenz der Lehrenden
Weßels macht im FR-Beitrag auf einen blinden Fleck aufmerksam, der hinter der Fächer-Debatte liegt: Die Lehrenden selbst sind vielerorts noch nicht ausreichend vorbereitet. Laut Deutschem Schulbarometer 2025 fühlen sich mehr als 60 Prozent der Lehrkräfte unsicher im Umgang mit KI, fachlich, didaktisch und rechtlich.
„Genau hier hakt es bei uns: Wir hätten sehr viel früher alle Lehrenden in unseren Bildungseinrichtungen KI-fit machen müssen." Prof. Dr. Doris Weßels in der Frankfurter Rundschau
Ihre Forderung geht über die Oberstufe hinaus: Digitale Grundbildung muss bereits in der Grundschule beginnen. Und KI-Kompetenz gehört in alle Schulformen, von der Hauptschule bis zur Berufsschule, statt auf eine Schulart beschränkt zu bleiben.
Die Kernpunkte von Doris Weßels im Überblick
- Kein Fächer-Gegeneinander: Latein gegen KI auszuspielen, hilft der Bildung nicht weiter.
- Querschnittstechnologie statt Silo: KI gehört in alle Fächer, weil sie alle Fächer betrifft.
- Lehrende befähigen: Mehr als 60 % fühlen sich heute unsicher. Hier muss Bildungspolitik zuerst ansetzen.
- Früh beginnen, breit aufstellen: Digitale Grundbildung gehört in die Grundschule und in alle Schulformen.
Warum das für Schleswig-Holstein zählt
Die Debatte ist mehr als eine schulpolitische Randnotiz. Welche KI-Kompetenzen wir heute bei jungen Menschen aufbauen, beeinflusst direkt, wie souverän eine Region in zehn Jahren mit KI umgeht, in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft. Genau darum berührt die Frage, wie KI im Bildungssystem verankert wird, auch unsere Arbeit im Zukunftslabor Generative KI im echten Norden. Die Fachkräfte, die morgen mit KI-Agenten arbeiten sollen, sitzen heute im Klassenzimmer.
Den vollständigen Beitrag findet ihr hier: KI-Unterricht statt Latein: Lehrerverband warnt vor Schulreform wie in Österreich auf fr.de.
