Doris Weßels zu Chinas KI-Prüfungsformat (FR-Interview)

von ZGKI-Redaktion | Juli 2026

Artikel Frankfurter Rundschau Juli 2026

Wenn Studierende die KI prüfen: Doris Weßels über Chinas Prüfungsexperiment

An der Fudan-Universität in Shanghai prüfen Studierende die KI, statt selbst geprüft zu werden. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau ordnet Prof. Dr. Doris Weßels das Format ein und benennt, woran es in Deutschland noch hakt.

Am 20. Juli 2026 ist in der Frankfurter Rundschau ein Beitrag von Andreas Apetz erschienen, für den unsere wissenschaftliche Leiterin Prof. Dr. Doris Weßels als Expertin interviewt wurde. Anlass ist ein ungewöhnliches Prüfungsformat der Fudan-Universität in Shanghai: In einem Data-Mining-Kurs schrieben 51 Studierende keine klassische Abschlussarbeit. Stattdessen prüften sie drei Sprachmodelle. Ihre Aufgabe war es, so treffende Fragen zu stellen, dass die Modelle an ihre Grenzen geraten. Je fehlerhafter die KI-Antwort, desto besser die Note. Vorab mussten die Studierenden ihre Fragen selbst korrekt beantworten.

Weßels bewertet das Format als didaktisch interessant und anspruchsvoll, ein „echtes Kontrastprogramm" zu klassischen Klausuren und Seminararbeiten. Ob es einen echten Paradigmenwechsel in der Prüfungsgestaltung bedeutet, bezweifelt sie. Eine innovative Erweiterung des klassischen Prüfungsportfolios ist es aus ihrer Sicht aber allemal, denn das Format verlangt den Studierenden doppeltes Wissen ab.

Es ist hohes Fachwissen plus tiefes Verständnis der KI-Modelle von den Studierenden erforderlich, um passende Testfragen zu identifizieren, zu formulieren und die KI-Ergebnisse zu bewerten. Doris Weßels, Frankfurter Rundschau

Die größere Hürde liegt für Weßels in Deutschland vor allem im Mindset. An vielen Hochschulen werde generative KI noch als Störfaktor eingeordnet und vor allem als Täuschungs- und Prüfungsproblem behandelt. Ihr Plädoyer: sich den neuen Bildungszielen zuwenden und KI selbst zum Gegenstand des Lernens machen. Das setze allerdings KI-kompetente Lehrkräfte voraus, und „daran hapert es bis heute".

Leider dominiert an unseren Hochschulen noch vielfach die Einordnung von generativer KI als Störfaktor. Aus meiner Sicht sollten wir uns endlich den neuen Bildungszielen zuwenden. Doris Weßels, Frankfurter Rundschau

Das vollständige Interview ist bei der Frankfurter Rundschau erschienen: „China löst ein Problem, an dem deutsche Universitäten und Schulen gerade scheitern".

Quelle: Andreas Apetz, Frankfurter Rundschau (Ippen.Media), 20. Juli 2026.